Von Raubrittern und Kirchweih-Händeln
Um Lichtenegg ranken sich viele Geschichten, Sagen und Geheimnisse

Es ist tatsächlich so: Ein Hauch von Geschichte weht einen an, wenn man droben steht auf dem fast 600 m hohen Burgberg mitten in den Mauerresten der Burg Lichtenegg. Der Blick verliert sich in der Weite über den bewaldeten Bergkuppen des Oberpfälzer Jura, und auf den Flügeln der Phantasie wird man fortgetragen in längst versunkene Zeiten, als edle Herren nicht minder edlen Damen den Minnedienst antrugen, als von der Burg die Jagdgesellschaften in die tiefen Wälder des Birglandes ausritten, oder als begehrliche Ritter schwer beladene Nürnberger Kaufmannszüge "erleichterten".

So weit liegt die Phantasie im übrigen gar nicht neben der historischen Wirklichkeit von Schloß Lichtenegg, wenn man in alten Quellen blättert oder überlieferten Geschichten lauscht. Die Lichtenegger sollen im Mittelalter vorübergehend Raubritter gewesen sein.

Reiche Pfeffersäcke abkassiert

Ein kleiner Ausguck vom Burggemäuer nach Westen könnte auf eine Verbindung der Lichtenegger mit den Lichtensteinern (bei Pommelsbrunn) hinweisen. Wenn unten im Tal auf der Straße von Nürnberg nach Böhmen die reichen Pfeffersäcke mit ihren Gütern gezogen kamen, gingen vielleicht die Feuerzeichen zwischen den befreundeten Burgen hin und her und signalisierten die gemeinsamen Raubzüge.

Um 1570, so ist in einer älteren Beschreibung zu lesen, erhielt der Ritter Johann von Furthenbach die Landsassenfreiheit auf Lichtenegg bewilligt. Der "Hansjörgl" bei Hersbruck wurde nach ihm benannt. Der Furthenbacher soll ein rüder Geselle gewesen sein.

"Den Kessel ans Wasser gerückt"

Gegen eine Klage seiner Nürnberger Landesherren wegen einer unerlaubt eröffneten Bierbrauerei in Haunritz antwortete er wie folgt: -Bereits sein Vorgänger Leubrechting habe die Brauerei gegründet (1568). Er (Furthenbach) habe "nur den Kessel etwas näher ans Wasser gerückt"-. Und dabei blieb es dann auch. Bis in unser Jahrhundert herein wurde in Haunritz das "Jura-Gold" gebraut, das sich eines guten Rufes erfreute.

Am 9. September 1580 verkaufte der Ritter von Furthenbach das Lehensgut Lichtenegg an den Freiherrn Hans Sigmund von Preysing. Dieser war Abkomme eines alten bayerischen Grafengeschlechts, dessen Stammschloß Altenpreysing zwischen Landshut und Moos liegt. Die Preysinger übten von nun an auf Lichtenegg auch die Hofmarksgerichtsbarkeit aus und hatten dadurch ansehnliche Einnahmen an Strafgeldern und Gebühren.

Außerdem mußten die Bauern der Lehensgüter im Ort Lichtenegg, in Büchelberg, Gunthersried, Kulsendorf (Kutschendorf), Ammerried, teilweise auch Haunritz und Högen, jährlich Zinsen in Form von Geld, Lebensmitteln und Handdiensten leisten. Früher gehörte sogar ein Hof in Umelsdorf bei Kloster Kastl zu Lichtenegg. Zum Besitz der Preysing-Lichtenegger zählten des weiteren die Fallmühle in Unterhaunritz und ein Forstgut in Ernhüll.

In den düsteren Wäldern um Lichtenegg gingen die Herrschaften auf die Jagd nach Hirsch, Reh, Wildsau und Wolf. Bei Tannlohe wurden an den Kirchweihtagen (an Johanni und am Andreastag, 30. November) vielbesuchte Märkte abgehalten.

Bewaffnete sicherten den Kirwafrieden

Der Lichtenegger mußte bei den Festen mit bewaffneten Leuten Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten und nahm dafür von den Wirten und Krämern ein Standgeld ein. Ein kleines Wiesenstück heißt heute noch "Tanzlfleck". Rauferei und Totschlag waren in alter Zeit die Hauptkirchweihvergnügen. Das Kirchlein in Tannlohe schon seit 1804 säkularisiert, wurde 1864 abgebrochen. Lediglich ein Gedenkstein erinnert noch daran.

Daß sich in einem so geschichtsträchtigen Winkel Sagen einnisten, liegt auf der Hand. So will schon mancher beobachtet haben, wie sich auf besagtem "Tanzlfleck" in bestimmten verwunschenen Nächten das lustig-wilde Treiben aus alten Zeiten wiederholte. Brennende Fackeln und Laternen seien dabei auf und ab gekreist. Im 15 Minuten entfernten Ort Kutschendorf ist noch heute südlich der Bauernanwesen eine Mulde in einer Wiese erkennbar. Hier haben nach der Überlieferung die Einwohner im dreißigjährigen Krieg eine mit Goldstücke gefüllte Truhe vor herannahenden Söldnertruppen vergraben. Nach dem Westfälischen Frieden besannen sich einige Männer auf den vesteckten Schatz und versuchten mit vereinten Kräften die wertvolle Truhe aus dem Schacht zu heben.

Da kam der Teufel auf der Wildsau...

Es schien fast gelungen, als vom gegenüber liegenden Waldhang der Leibhaftige auf einer Wildsau angeritten kam. Bei diesem Schreckensanblick entglitt den Männern das Gold zurück in die Tiefe. Seither hat niemand mehr versucht, den Kutschendorfer Schatz zu heben.

Vieles ließe sich noch erzählen, etwa von dem Lichtenegger Ritter, der nach schwerem Zechgelage in Ernhüll heimritt und im reißeden Högenbach ertrank. Oder von dem unter Gang, der von der Burg bis nach Haunritz hinunter ging und durch den die Burgbediensteten ins Tal hinabeilten, um aus dem Keller der Schloßbrauerei das Bier zu holen ... Viele Geheimnisse ranken sich um Lichteneggs umliegendes Land, über dessen Waldsäume noch der alte Zauber schimmert.

Quelle SZ: Nummer 192
Samstag, 22./Sonntag, 23. August 1998
Autor: Hans Raum / Sepp Lösch