Zur Strafe ab in die Halsgeige
Burgruinen-Gäste haben ihren Spaß beim mittelalterlichen Familienprogramm zur Sonnwendfeier

Lichtenegg. (fm) Es war nicht nur eine der "höchsten" Sonnwendfeiern im Landkreis, sondern auch ein buntes Familientreffen mit vielen Kindern, das der "Förderverein Burgruine Lichtenegg" unter den alten Mauern abhielt. Die majestätische Ruhe, die sonst dort den Wanderer umfängt, wich für einige Stunden lebhafter Fröhlichkeit.

Die Mitglieder und Freunde des Fördervereins, unter Regie ihres Vorsitzenden Hans Seitz, mussten schon Schwerstarbeit leisten, um neben das kleine Zelt alle notwendigen Vorräte und Utensilien auf die Terrasse unterhalb der sanierten Ruine zu schaffen. So kamen zunächst verstärkt die Familien mit Kindern, weil deren Programm früher begann.

Wer sich traute, nahm eine der langen Lanzen des Vereins "Freundeskreis König Ruprecht" aus Amberg und versuchte das "Ritterstechen". Das Wappen an einem Querbalken musste so kraftvoll getroffen werden, dass es sich einmal um die eigene Achse drehte. Wem dies gelang, war "Sieger"; wer es nicht schaffte, musste auf dem mit Spitzen gespickten Folterstuhl Platz nehmen. Da wäre eine Lederhose willkommen gewesen.

Kitzeln als "Strafe"
Auch das "Drachen füttern", das Ballwerfen in einen großen Rachen, war leicht riskant. Wer zu wenig fütterte, kam mit Kopf und Armen in die "Halsgeige" und musste das Kitzeln der anderen hilflos über sich ergehen lassen. Doch es machte so viel Spaß, dass genügend Freiwillige anstanden.

Umlagert war eine kleine Feuerstelle, wo man sich "Stockbrote" backen konnte. Die Eltern und übrigen Besucher, die sich auf dem begrenzten Platz drängten, konnten derweil das Panorama bei herrlichem Wetter genießen und sich mit einem kühlem Trunk oder dem "Rittersüpplein" stärken, das Klaus Söhnlein und Albrecht Waitz aus einem großen Topf über offenem Feuer schöpften.

Zwischen dieser kulinarischen Anlaufstelle und dem "Künstlerzelt", in dem meistens Frauen Prinzessinnen, Ritter oder Drachen aus Holzrohlingen bastelten, hielt "König Ruprecht" samt Gefolge vom "Freundeskreis" in historischen Gewändern Hof. Sie lauschten ebenso gerne wie alle anderen der musikalischen Untermalung durch den Posaunenchor Fürnried.

Großzügiges Geschenk
Die junge Truppe unter Leitung von Erwin Maderer erfreute mit vielen bekannten Volksweisen. Als Überraschung hatte Gernot Maul seine Posaune als Geschenk an den Chor mitgebracht. Früher selbst Bläser, benötigt er das Instrument nicht mehr und fand als Abnehmerin Monika Kolb, die es auch gleich ausprobierte.

Feuerschein am Berg
Mit einbrechender Dunkelheit wurden die Wandfackeln an der Zwingermauer entzündet und am Fuß des Burgbergs formierte sich ein langer Fackelzug zur Feuerstelle. Der hohe Holzstoß knapp unterhalb des Gipfelfelsens leuchtete weit über die umliegenden Täler ins oberpfälzische und fränkische Umland. Den Brauch und Sinn des Sonnwendfeuers erklärte der Heimatforscher Stefan Helml aus dem königlichen Gefolge. Viele Gäste verweilten noch lange auf dem stimmungsvollen Fest zur Sommersonnenwende.

 

Quelle: SZ: 1 Juli 2005
Autor: Franz Müller
Bilder: Martin Patzelt