Glanz für uralte Mauern
Förderverein erhält die Burgruine Lichtenegg

LICHTENEGG - 2767 Arbeitsstunden haben Herbert Steinmetz, Richard Pilhöfer und ihre Vereinskameraden bislang allein im Jahr 2008 investiert, insgesamt stecken 228000 Euro und unzählige Stunden im Ergebnis ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. Der Förderverein Burgruine Lichtenegg hat es sich vor zehn Jahren zur Aufgabe gemacht, das kulturelle Prachtstück im kleinen Dorf Lichtenegg im Birgland zu erhalten, seither wird die Ruine immer schöner.

Auf dem Bergfried hat der Besucher jetzt einen herrlichen Ruheplatz
zum Brotzeit machen mit traumhafter Rundumsicht
Mächtig thronen die historischen Mauern auf ihrem Hochplateau über dem 40-Seelen-Dorf Lichtenegg. Über 700 Jahre sind sie alt, einst gehörten sie zu einer Wohn- und Trutzburg an der berühmten „Goldenen Straße” zwischen Nürnberg und Prag. Über einen breiten Weg lässt es sich gemütlich hinauf spazieren. Eine Informationstafel begrüßt am Eingang den Besucher und erklärt ihm was er da vor sich hat. Wenige Stufen führen ins Innere der alten Mauern.

Wer eintritt, fühlt sich plötzlich wieder wie ein Kind, die alten Steine riechen nach den Abenteuern vergangener Zeiten. Über einen breiten Weg geht es unterhalb des alten Bergfriedes entlang, dann durch ein Tor dorthin, wo einst das Wohngebäude war. Den Besucher beschleicht ein Gefühl von heimeliger Geborgenheit hinter den 1,80 Meter dicken Mauern. Weiter geht es über eine Stahltreppe, die der Vorsitzende Pilhöfer und seine Leute erst im Frühjahr 2008 installiert haben. "So kommen hier auch ältere Menschen gut hinauf", sagt er. Oben auf dem Bergfried laden ein Tisch und Ruhebänke zum Ausruhen ein und ein herrlicher 360-Grad-Ausblick zum Träumen. Bei klarer Sicht ist der Ochsenkopf im Fichtelgebirge zu sehen und sogar Teile des Bayerischen Waldes.

Heute ist so ein Tag. Die Luft ist frisch, Wolken rasen dahin die Sonne spitzt immer wieder dahinter hervor und taucht den Steinbruch von Hartmannshof und die restliche Umgebung in ständig wechselndes märchenhaftes Licht. Diesen Blick wollen die unterschiedlichsten Menschen genießen: Wanderer, Pärchen die einen romantischen Ort suchen, Mountainbiker, Familien mit Kindern. "Und vor einiger Zeit kam ein 93-Jähriger ganz langsam den Berg hinauf", sagt Herbert Steinmetz, Bürgermeister der Gemeinde Birgland. Er kennt und liebt die Burgruine schon seit Kindertagen und ist stolz darauf, wie sie jetzt wirkt.

Burgluft schnuppern: Ein buntes Programm für Kinder
u. Erwachsene gibt es beim all-jährlichen Sommerfest
Der Frost war am Werk
So strahlend wie Jetzt war sie nicht immer. Früher waren die Mauern kaum zu sehen. Bäume Gras und Erde hatten sie regelrecht unter sich begraben. Vor gut zehn Jahren hatten aber Wasser und Frost der Wand des einstigen Wohngebäudes des so genannten Palas, so zugesetzt, dass sie einsturzgefährdet war. Es musste etwas geschehen. Darum hat sich im Dezember 1998 der Förderverein gegründet. Vorsitzender wurde für sieben Jahre Hans Seitz. Als erster Akt des Geschehens musste die Ruine von den Überwucherungen befreit werden. Dazu rückten die Bauern des Ortes mit schwerem Gerät an. In vier Bauabschnitten zwischen den Jahren 2000 und 2008 entwickelte sich die Ruine dann zum Schmuckstück. Der Palas wurde gesichert, Drainagen eingebaut, die Wände mit Originalsteinen ausgebessert und ausgefugt. Das Innere der Ruine wurde erst freigelegt und bekam dann eine neue Schotterschicht. Auch an den Außenseiten befreiten viele freiwillige Helfer die Mauern von einem Schuttkegel, der mit den Jahrzehnten entstanden war. Zuletzt kam der Bergfried an die Reihe. Unterstützend dabei war ein Grabungstechniker.

Finanziert haben das Projekt das Landesdenkmalamt, das Amt für ländliche Entwicklung, die Bayerische Landesstiftung und der Bezirk Oberpfalz. Aber auch der Landkreis Amberg-Sulzbach, die Gemeinde Birgland und vor allem der Förderverein selbst mussten und müssen Geld aufbringen. Mitgliedsbeiträge, Spenden und Erträge aus dem all-jährlichen Sommerfest mit Kinderprogramm, Mittelalter-Spektakel und Johannisfeuer helfen dabei.

169 Mitglieder hat der Verein zur Zeit. „Sie sind weit gestreut, von Berlin bis zum Bodensee und von Wolfenbütel bis Österreich” sagt Steinmetz. Einmal im Jahr erhalten sie alle Post, wenn die Vereinsnachrichten mit Berichten über Ausflüge und den Baufortschritt herauskom men. Die Restaurierungsarbeiten gehen bald dem Ende zu. Doch die Vereinsarbeit noch lange nicht. „Die Besucher sollen die Burg besuchen, mit ihr leben” sagt Pilhöfer.

Quelle: HZ: 28.08.2008
Autorin: Johanna Finzel
Bilder: Gerhard Rösel