Die Herren von Preysing
Als die Herren von Preysing ins Birgland kamen
Christoph Graf von Preysing-Lichtenegg-Moos und seine Gattin Gräfin Lidwina pfle-gen eine enge Verbindung zu Lichtenegg, das wie Haunritz und Högen zu dem Besitz ihrer Vorfahren gehörte.
 

LICHTENEGG/KRONWINKEL - Lichtenegg hat viele Geschlechter kommen und wieder im Staub der Geschichte vergehen sehen. Die Grafen von Preysing-Lichtenegg- Moos jedoch tragen noch heute den Namen der Burg in ihrem Titel und pflegen von ihrem Stammsitz Schloss Kronwinkel bei Landshut aus eine enge Verbindung zur Stätte ihrer Vorfahren. Die aber hatten nicht hier, sondern im nahen Haunritz ihren ersten Wohnsitz.

 

Die Kirche und Friedhof von Pommels-brunn. Die Preysings hatten hier eine Begräbnisstätte.

Es war Hans Sigmund Freiherr von Preysing aus dem Dorf Altenpreysing zwischen Landshut und Moos, der 1580 Hans von Furtenbach das Rittergut Haunritz mit dem Schloss, den Besitzungen in Högen und dem Burglehen von „Lichteneck” für 13 800 Gulden abkaufte. Grund für den Umzug war, dass der protestantische Zweig der Familie im Herzogtum Pfalz-Sulzbach eine seinem Glauben entsprechende neue Heimat suchte und fand. Die Burg Lichtenegg aber hatte zuvor bei einem Brand erheblich Schaden genommen.

Dem Landesherrn zu Sulzbach lag daran, sie wieder in einem Schutz und Trutz bietenden Zustand zu sehen, weshalb er Furtenbach drängte, sie baulich entscheidend zu verbessern. Der aber hielt seine Zusage gegenüber dem Herzog nicht ein, er habe „die Mittel gar nitt gehabt ain pallast allda zu erbauen”. Als Folge kam es zu langwierigen Auseinandersetzungen, in denen Preysing einen Neubau von Burg Lichtenegg kategorisch ablehnte und sich nur zu Ausbesserungsarbeiten bereit erklärte, sonst „wollt er es nitt geschenckt”, hat der Historiker Robert Giersch bei seinen Forschungen ausgegraben.

Der heutige Wohnsitz der Grafen von Preysing. Schloss Kronwinkel bei Landshut. Eine Abordnung aus dem Birgland waren schon Gäste in diesem Schloß.
 

Der marode Zustand der Burg veranlasste die Familie von Preysing, als erste Wohnstatt unter ihren neuen Besitzungen nicht Lichtenegg, sondern das wohnlichere Schloss in Haunritz zu wählen. Ein verwittertes Wappen lässt sich noch heute oben an der Schlossfassade entdecken. Eindeutig ist dagegen die Jahreszahl 1719 an einem Fensterstock, nur hatten zu diesem Zeitpunkt die Preysing Haunritz schon verloren.

 

Weil Haunritz zur Pfarrei Pommelsbrunn gehörte, er-warben die Herren von Preysing dort das erste ihrer Erbbegräbnisse. Gräber sind nicht mehr auffindbar; alte Unterlagen sprechen von einer Gruft innerhalb der Kirche. Hans Sigmund von Preysing lebte bis 1584. Das Erbe trat erst der älteste Sohn Hans Adolf an (verstorben 1593), dann der zweite Sohn Johann Erasmus. Auch er lebte in Haunritz, verstarb dort 1626 und wurde in Pommelsbrunn begraben. In der nächsten Generationen trennten sich die Wege.

 

Sehr gut erhalten ist die Jahreszahl 1719 des Schloßes von Haunritz.

Johann Philipp Jakob erbte das Lehen Lichtenegg. Sein Bruder Hans Sigmund II. trat das Erbe in Haunritz und Högen an. Weil auch Haunritz nicht von den Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges verschont blieb, verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens am Hofe zu Sulzbach. Seine Witwe heiratete Rittmeister Alexander von Satteh, der den Besitz übernahm. Der Rittmeister hatte nicht viel im Sinn mit den Kindern, die seine Frau mit in die Ehe gebracht hatte. Statt sie als Erben einzusetzen, zahlte er sie aus. Damit fand die Geschichte der Preysing auf Haunritz und Högen ihr Ende.

Kardinal Konrad Preysing, Graf von Preysing-Lichtenegg-Moos, wurde 1935 Bischof von Berlin. Er war eine der Persönlichkeiten, die den Namen der Burg im Birgland in die Welt hinaus trugen.

Am 9. September 1580 erwarb Hans Sigmund Freiherr von Preysing aus dem Dorf Altenpreysing zwischen Landshut und Moos das Rittergut Haunritz, die dazu gehörenden Besitzungen in Högen und das Burglehen von Lichtenegg. 1626 wurde der Besitz geteilt. Wie vorangegangen berichtet, gingen Haunritz und Högen später verloren, nicht jedoch Lichtenegg.

Dort setzte Johann Philipp Jakob von Preysing die Linie des Adelsgeschlechts fort. Er ließ sich am Fuße des Schlossbergs nieder, wo er den Gutshof zu einem Herrenhaus umbauen ließ. Als herzoglicher Kämmerer und Rittmeister dürfte er zeitweise auch am Hofe zu Sulzbach gelebt haben. Weil das Landsassengut florierte, errichtete er für seine Untertanen weitere fünf Häuser, womit er als Gründer des heutigen Dorfes gilt. Die Burg selbst war nach dem Erwerb des Lehens 1580 nur notdürftig für eine eventuelle Verteidigung hergerichtet worden. Sie verfiel mehr und mehr und wurde schon 1662 an den Landesherrn Pfalzgraf Christian August verkauft.

Das Wappen der Preysinger von 1604 ist noch heute im Besitz der Familie.

Anstelle von Pommelsbrunn war jetzt Fürnried zum religiösen Mittelpunkt geworden. In der alten Kirche hatten die Preysing ihre Familien-und Erbbegräbnisstätte, die Grabplatten gingen leider beim Abbruch und Neubau verloren. Aber auch freudige Anlässe entdeckte das Pfarrer-Ehepaar Kurz in den evangelischen Kirchenbüchern: neben Trauungen die Taufe von zwölf Kindern, wobei einmal der sulzbachische Hofrat Christian Knorr von Rosenroth als Pate vermerkt ist.

Philipp Jakob von Preysing, verheiratet mit Dorothea Christine von Brand zu Leuzenhofen, verstarb 1658, sein ältester Sohn und Erbe Johann Conrad Adam bereits acht Jahre später. Erst i686, weil vorher noch minderjährig, erhielt Johann Georg, der Eva Sophia von Brand zu Neidstein ehelichte, das Lehen. Er war letzter Herr auf Lichtenegg. Denn er verkaufte das Lehen 1715 mit allen Grundstücken und Rechten für 7710 Gulden an den Sulzbacher Landesherrn Theodor Eustach. So endete nach 135 Jahren die Geschichte der Freiherren von Preysing in und um Lichtenegg.

Das in den Grafenstand erhobene Adelsgeschlecht selbst lebte in zwei Linien fort: Preysing-Lichtenegg-Moos auf Schloss Kronwinkel bei Landshut und Preysing Lichtenegg. Im Dienste des Kurfürsten von Bayern, der Herzöge von Neuburg und Sulzbach, aber auch als geistliche Würdenträger erwarben die Preysing hohes Ansehen und trugen den Namen der Burg in die Welt hinaus.

Quelle: Bergstadtbote: November 2008 und Februar 2009
Autor: Rolf Wypior
Bilder: Hans Pirner