Bauliche Entdeckungen

Im Rahmen unserer Eigenleistungen entdeckte Herr Werner Kaschel aus Hohenstadt die Lage des ehemaligen Haupteingangs zur Burg. Im nordwestlichen Turmrest befindet sich ein schräger, 1,5 m langer, rechteckiger Kanal, der von der Form und Größe her kein Fenster und keine Schießscharte sein kann. Im Fachbuch "Burgen und Schlösser in Deutschland" fand Herr Werner Kaschel die Erklärung: Es handelt sich um einen sogenannten "Sperrbalkenkanal" der den Holzbalken aufnahm, den man im Mittelalter zur Sicherung vor das geschlossene Tor aus diesem Kanal herausgezogen und vor das Tor positioniert hat. Solche Sperrbalkenkanäle deuten auf einen Eingangsbereich hin. Grabungen haben dann die unteren, sauber beschlagenen, Laibungssteine des Tors und das glatt gemeißelte, mehrere Quadratmeter große, Eingangspodest mit Regenablaufrinne freigelegt.

Bei der Freilegung der Fundamente der westlichen Palasmauer gruben wir einen schön gemaserten und fein säuberlich behauenen Quader aus Nürnberger Burgsandstein aus. Er ist noch genau als  rechter unterer Laibungsstein des Eingangstors zum Hauptwohngebäude positioniert. Auch das dazu gehörige Türpodest liegt jetzt frei.

Im Innenraum fanden wir unter dem Steinschutt knapp über dem Boden eine Brandschicht mit Ziegelbruchstücken. Darüber lagen meterhoch Steine und Mörtel eingestürzter Mauern. Daraus schließen wir, dass ein Feuer den Einsturz des Daches und das Ende der Burg Lichtenegg eingeleitet hat, was ja auch die hier an anderer Stelle beschriebene Geschichtsforschung bestätigt.

Beim Herausräumen des Schutts entdeckten wir eine aus dem Fels sehr grob herausgemeißelte Steintreppe. Möglicherweise war sie ein früherer Abgang zum Untergeschoss des Palas, zumal der heutige Eingang durch den Torbogen wahrscheinlich erst zu einem späteren Zeitpunkt angelegt wurde. Auch vom erwähnten Torpodest führen zwei Stufen aus sehr langen rechteckigen Steinen zum freigelegten Bodenniveau hinab.

Für die Sanierungsarbeiten mussten wir aus dem Palas jahrelang und mühsam den bis zu 4 m hoch liegenden Schutt dokumentieren lassen, sieben und herausräumen. Dabei fanden wir neben unzähligen Mauersteinen, Ziegelbruchstücken und Resten des Mörtels und Mauerputzes auch andere Fundstücke: Dazu zählen viele Ton- und Keramikscherben, Tierknochen, Eisennägel, einzelne Drahtstücke, Schlüssel und Münzen (siehe separates Kapitel!) Das alles wird von Helga Seitz fein säuberlich in Behältern unter Dokumentation der Fundorte aufbewahrt. Im hinteren Bereich des Palas lagen große Mengen von Schlacke aus verhüttetem Eisenerz. Ungefähr 4 m bzw. eine Etage höher fanden sich Russ-Spuren einer Feuerstelle, an der man möglicherweise Eisen gewann und schmiedete. Auffallend waren im Schutt gut erkennbare zwei Brandschichten, die zur Burghistorie passen.