Die Burgruine Lichtenegg
Gde. Birgland, Lkr. Amberg-Sulzbach/Opf.

Sanierung und Ergebnis der archäologischen Untersuchungen

von Ferdinand Leja (2004)

„ ...Die umfassendste Fernsicht des Sulzbacher Landes!” — so charakterisierte Heimatpfleger Fritz Metz aus Sulzbach die Lage der bekannten Burgruine in seinem Wanderbüchlein l). Und in der Tat beeindruckt die Aussicht vom 586 Meter hohen Burgberg den Besucher mehr als die Überreste der kleinen Burg am Rande der Alt­nürnberger Landschaft. Die wenigen erhaltenen Mauerreste verfielen zusehends. Den Burgberg, ehemals mit dem typischen kurzen Jura-Trockenrasen bedeckt, hatte sich die Vegetation mit Büschen und Bäumen zurückerobert. Damit dieser Zustand nicht auf Dauer so bleiben sollte, wurde am 19. Dezember 1998 von Heimatfreunden der För­derverein Burgruine Lichtenegg e.V. gegründet 2). Zielsetzung des Vereins ist die Sanierung und Bestandssicherung der einsturzgefährdeten Ruine, eine bessere Erschließung des beliebten Aussichtspunktes und die Aufarbeitung aller historischen Unterlagen und Daten zur Geschichte der Burg.

Auf die Finanzierung der bisher erfolgten zwei Bauabschnitte soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden, als dass hier Mittel des Landesamtes für Denkmalpflege, des Landkreises, der Gemeinde, des Fördervereins und Spenden zum Einsatz kamen. Für die Planung und Ausführung der Arbeiten war das Ingenieurbüro ALS in Amberg unter der Auf­sicht des Bayer. Landesamtes für Denkmalpflege zuständig. Bisher wurden zwei Bauabschnitte durchgeführt. Im ersten Abschnitt konnte die einsturzbedrohte Palasmauer innerhalb von zwei Jahren an der SO-Seite gesichert werden. Diese noch am höchsten erhaltenen Mauern stellten für die unterhalb davon gelegenen Gebäude eine zunehmende Gefahr dar. Außerdem konnte der zugewachsene Burgberg im Rahmen des laufenden Flurbereinigungsverfahrens von Sträu­chern und Bäumen befreit werden. Heute sorgen Bergschafe wieder für den kurzen Trockenrasen, so wie er früher dort bestand. Zudem brachte man Stufen und Geländer an, um den Aufstieg zum Gipfelplateau sicherer zu ge­stalten. Im zweiten Bauabschnitt kam dann die Sanierung der südwestlichen Palasmauer dran, sowie die Freilegung und Sanierung von Teilen der Umfassungsmauer, im Bereich des Eingangs, im Palasinneren und an der NO-Ecke.

Da geplant war, die Sanierung der Ruine zügig abzuschließen, wurde noch ein dritter Bauabschnitt notwendig. Zur Mauersanierung im Palas war eine Drainage zur Ableitung des Oberflächenwassers erforderlich. Dazu musste das Innere des Palas vom Schutt befreit werden. Hierfür forderte das Bayer. Landesamt für Denkmalpflege baubegleitende Beobachtungen und Untersuchungen. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass nicht beim Ausräumen des Schuttes archäologisch interessante Schichten unbeabsichtigt zerstört würden; diese Aufgabe wurde vom Verfasser übernommen. Das Bayer. Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Regensburg, führte in der Zwischenzeit eine tachymetrische Neuvermessung der Ruine durch. So steht nun für alle weiteren Arbeiten auch endlich ein aktueller Plan zur Verfügung.

Zur Geschichte der Burg Lichtenegg

Über die Anfänge der im oberpfälzisch-fränkischen Grenzbereich gelegenen kleinen Burg Lichtenegg ist urkundlich nichts bekannt. Das Nürnberger Reichssalbüchlein von ca. 1300 ist bisher die einzige Quelle zur Frühzeit der Burg 3). Über Lichtenegg wird dort vermerkt: „So hat der truchsez von Sultzbach inne den burck ze lichteneckke, den ligt auf des reiches aigen, und lehs im der hertzog von Bayern.” Dieser Hinweis besagt, dass Lichtenegg ursprünglich Reichsgut war. Wir wollen nun nicht die gesamte Geschichte der Burg ausführlich erläutern; diese wurde von Giersch umfassend bearbei­tet4). Lediglich die Vorgänge in der Endzeit der Burg werden hier näher beleuchtet, da sie durch die archäologischen Untersuchungen bestätigt werden konnten.

Im Jahre 1338 wird die Burg bei der Teilung unter den bayerischen Herzögen dem Pfalzgrafen Rudolf II. zugewiesen5). 1343 belehnt er damit Friedrich den Steinlinger. Am 29. Oktober 1353 verkauft Ruprecht die Oberlehensherrschaft an Kaiser Karl IV. Von Hans Steinlinger erwirbt Kaiser Karl IV. die Burg am 24. Dezember 1368, Lichtenegg wird neuböhmisch.1373 fällt sie bereits wieder an die Wittels­bacher zurück, Heinrich Tanner wird Pfleger. Schon bald verleiht Herzog Jo­hann 1393 Lichtenegg an Heinreich den Kemnater, Landrichter zu Sulzbach, dessen Erben den Besitz längere Zeit inne hatten.

Interessant für uns wird dann die Geschichte von Lichtenegg, als Johann von Furtenbach sich 1579 für die Burg interessiert. Zuvor soll aber noch vermerkt werden, dass die Burg kurz vor 1430 Schäden erlitten hatte. Die Hussiten können hierfür kaum in Frage kommen. Eher könnten hier Ingolstädter Truppen tätig gewesen sein, die 1421 u.a. auch die benachbarte Burg Lichtenstein einnahmen. Lichtenegg könnte aber auch im Ersten Bundesständischen Krieg durch Nürnberger Angriffe auf Stützpunkte des mit dem Ansbacher Markgrafen verbündeten Pfalzgrafen Otto I. von Mosbach zerstört worden sein. In der näheren Umgebung fielen damals immerhin die Kirchenburgen Happurg und Hohenstadt, der Markt Königstein und 40 Dörfer den Angreifern zum Opfer. Sogar direkt vor der Stadt Sulzbach wurde geplündert6) und Lichtenegg lag somit am Wege. Jedenfalls wird Lichtenegg danach nur noch als öder Burgstall bezeichnet. Die späteren Besitzer waren deshalb auch weniger an der Burg interessiert, sondern hauptsächlich an den zum Lehen gehörigen Waldungen, die durchaus einen wirtschaftlichen Faktor darstellten. Die Burg blieb ruinös und unbewohnt. Das Geschlecht der Pfinzing erhielt mehrfach das öde lehengut liechteneckk bis 1550 zu Lehen. Bei einer Belehnung an den Sulzbacher Landschreiber Sebastian Sedlmayer am 28. Dezember 1560 wird Lichtenegg als ödes Haus beschrieben. Die Belehnung war offensichtlich mit der Auflage des Wiederaufbaues verbunden, denn Sedlmayer teilte 1562 seinem Landesherrn Pfalzgraf Philipp Ludwig mit „...dieselben von neuen auferbaut und zu guete wessenhait gebracht” 7).

Aber schon 1574/75 erlitt das neue Schloß einen größeren Brandschaden, Ursache und Ausmaß sind allerdings nicht bekannt. Sedlmayer verlor daraufhin das Interesse an dem Besitz und bat seinen Landesherrn um Zustimmung zum Verkauf. In dem Nürnberger Kaufmann Hans IV. von Furtenbach hatte er einen Käufer gefunden, jedoch nicht im Sinne des Pfalzgrafen, denn Furtenbach war Bürger der Reichsstadt Nürnberg. Furtenbach hatte auch das nahe Schloß Reichenschwand er­worben sowie 1576 Högen und Haun­ritz auf pfälzischen Boden. Folglich bat Furtenbach um Aufnahme als pfalzgräflicher Landsasse und Lehensmann. 1577 stimmte die Neuburger Regierung dem Verkauf zu, mit der Bedingung, dass Furtenbach die Pflichten eines pfälzischen Lehensmannes anerkenne und sich zum Ausbau der Burg verpflichte. Den Lehensbrief erhielt er aber erst 1579.

Furtenbach stieß seinen neuen Besitz aber bald ab, ein Grund hierfür ist nicht bekannt, doch könnte die Klausel zum Wiederaufbau der Grund gewesen sein. Hieran hatte Furtenbach wenig Interesse, ging es ihm in erster Linie doch um den weiteren zum Lehen gehörigen Besitz. Der Verkauf an Hans Sigmund von Preising zum Hubenstein war wohl schon vor 1580 abgeschlossen. Natürlich war die Neuburger Regierung darüber verärgert, und Furten­bach und Preising mussten sich am 4. September 1580 in Neuburg verantworten. Bei den verschiedenen rechtlichen Fragen wurde Furtenbach auch befragt, ob er der Verpflichtung nachgekommen sei, das Schloß Lichtenegg wieder aufzubauen. Furtenbach erklärte hierzu, dass er dafür „noch nit lang da gewesen und seither in wider­werttigkait geraten sei”, weshalb er baulich nichts unternehmen konnte. Aber Preising hätte schon „alberait angefangen, den haunratz zu putzen und werdt Liechteneck auch bawen”. Der neue Burgherr wurde nun verpflichtet: „dz schloß Liechteneck, welchs an der grenitz des landtgerichts Sulzbach gelegen, wiederumb inn ansehnlichen, wesentlichen baw bringen unnd verbessern".

Auch Hans Sigmund von Preising hatte nicht vor, dass Schloß neu zu errichten: „Schloß Liechtenegk will er bauen sovil zu bauen ist, aber daß er es von newen bauen sollt, wolltt er es nitt geschenkt". Preising hatte hier von vorn herein nur an unbedingt nötige Reparaturen gedacht und anscheinend ein Notdach über dem Palas errichtet.

Schließlich zerstritten sich Verkäufer und Käufer noch über die zu erbringenden Zahlungen. Das ging dann so weit, dass Furtenbach mutwillig Schäden an Türen und Schlössern anrichten und 19 Fenster ausbrechen ließ. So stritt man sich bis 1584 und der Verfall am Schloß ging weiter. Preising bewohnte das große Haus im Weiler unterhalb. Das weitere Hin und her um die Ruine und die jüngere Geschichte nach dem Verkauf 1662 sollen hier nicht mehr interessieren. Am Baubestand der Ruine änderte sich nichts, lediglich der Verfall nahm naturbedingt zu und führte schließlich zum heute sichtbaren Zustand.

Das Aussehen der mittelalterlichen Burg

Der Kern der kleinen Burganlage war in NW/SO-Richtung 38 Meter lang und 27 Meter breit$). Die steil aufragende Felskuppe erschwerte die Errichtung von Gebäuden. Der Palas als größtes Bauwerk stand an der SO-Seite; seine Länge betrug etwa 22 Meter, die Breite ca. 7,5 Meter. Die heute noch bis zu 11,5 Meter hohe SO-Wand war auf einen breiten Felsabsatz gegründet, während die NW-Wand wegen der dort aufsteigenden Felswand erst in ca. 9,5 Meter Höhe auf einem abgearbeiteten Felsband begann. Auch die NO-Wand setzte erst in sechs Meter Höhe auf dem Fels an. Nur die SW- oder Giebelseite lag mit ihrem Fundament auf fast derselben Höhe wie die SO-Wand. Im westlichen Teil der SW-Wand stand dort ein fünf Meter hoher und bis zu 1,5 Meter breiter Felspfeiler im Wege, den man jedoch in die Wand inte­grierte, was dieser ein eigenartiges Aussehen verlieh.

Der Eingang zum Erdgeschoß des Palas lag in der Giebelwand im SW, jedoch konnte dies, wie unten dargestellt, nicht der Haupteingang gewesen sein. Die Türgewände sind heute leider so sehr ausgebrochen, dass die ehemalige Türform nicht mehr zu rekonstruieren ist. Über der Tür befindet sich eine 0,5 x 0,9 Meter große Fensteröffnung in etwa 3,5 Meter Höhe. Das Erdgeschoß zeigt an der SO-Seite lediglich zwei schmale Schartenfenster von 0,35 x 1,45 bzw. 0,6 x 1,3 Meter Größe. Die beiden Scharten im ersten Stock sind wohl eher als echte Schießscharten zu deuten, obwohl ihre Innenseiten größtenteils ausgebrochen sind. Vergleicht man den heutigen Zustand der Ruine mit Zeichnungen von der Burg aus der Zeit 1602/049, so müssen noch zwei weitere Stockwerke vorhanden gewesen sein, in welchen sich, den Fenstern nach zu schließen, die eigentlichen Wohnräume befanden.

Nachdem der felsige Untergrund die Anlage von Kellern vereitelte, musste das Erdgeschoß des Palas die Kellerfunktion ersetzen. Dieses bot mit einer Grundfläche von ca. 5x19 Metern immerhin einigen Platz zur Lagerung von Vorräten. Während die SW- und SO-Seiten dieses Raumes gemauerte und verputzte Wände aufwiesen, bestanden die anderen beiden Wände aus unbearbeiteten Felsen. Dies war auch noch im ersten Stock der Fall. Der Fußboden im Erdgeschoß war nicht besonders befestigt; er lag zwei Stufen unter dem Eingangsniveau. Wie es in Kellerräumen auf Burgen des Öfteren vorkommt, stand hier der natürliche Fels an, den man nur selten begradigte lo). Vertiefungen füllte man mit Schutt auf, worüber sich dann ein sog. Trampelboden ausbildete, bzw. brachte man bisweilen Lehm als Estrich ein. Gleich links hinter der Eingangstür und neben dem eingemauerten Fel­sturm führten zehn grob aus dem Fels gehauene unregelmäßige Stufen steil nach oben in den 1. Stock. Wegen der Primitivheit dieses Aufstiegs kann dies sicher nicht der Hauptzugang zum Palas gewesen sein. Die Tür in der Giebelwand war demnach auch nicht der Haupteingang, sondern nur ein Zugang zum Keller- oder Wirtschaftsteil; die einfache Treppe war der Kellerzugang innerhalb des Gebäudes von oben her. Der ursprüngliche Hauptzugang zum Wohnteil des Palas war sicher repräsentativer gestaltet und dürfte wohl vom Gipfelplateau in die nicht mehr vorhandene NW-Seite des Palas geführt haben. Dass der Wohnteil durchaus aufwändiger gestaltet war, lassen die in den Abbildungen dargestellten Erker vermuten.

Der Bergfried stand in geringer Entfernung zum Palas etwas unterhalb des Gipfelfelsens im Nordwesten. Der quadratische Turm, von dem sich kaum Spuren erhalten haben, könnte einen Durchmesser von fünf bis sechs Metern gehabt haben. In der kurzen Verbindungsmauer zwischen Turm und Palas wird man wohl den ehemaligen Zugang vom unteren zum oberen Burgbereich zu suchen haben, etwa an der Stelle des heutigen Aufganges. Möglicherweise könnte hier oben noch ein weiteres kleines Gebäude gestanden haben. Die NW- und NO-Seite des Gipfels erforderten keine aufwändigen Sicherungsmaßnahmen, weil der Fels dort mehr oder weniger senkrecht abstürzt.

Von der SO-Ecke des Palas zog sich eine Mauer, erst im Bogen nach SW und dann an der SW-Seite gerade zu einem Felsvorsprung im NW. Hier bog die Mauer unter Einbeziehung eines Felskopfes scharf nach 0 um und schloss an die Felswand des Burgfelsens an. Hier befand sich das ursprüngliche Burgtor. Dieser untere Burgbereich war noch­mals durch eine Quermauer unterteilt und zwar etwa in der Mitte der SW-Mauer und rechtwinklig zu dieser als Verbindung zum Fels. Vor dieser Quermauer muss - wie heute - der Aufgang zum oberen Burgareal gelegen haben, eine Tür in der Mauer führte zum Kellereingang im Palas. Links bzw. nörd­lich der Kellertür könnte eine Zisterne vorhanden sein. Beim Ausräumen des Versturzmaterials traf man nämlich an dieser Stelle viel lockeres Steinmate­rial an, welches sich in die Tiefe fortsetzte, möglicherweise eine mit Schutt erfüllte Zisternengrube. Dies soll in ei­nem späteren Bauabschnitt näher untersucht werden.

Im SW und SO zieht sich ein auffallend ebenes Plateau im Halbkreis um die Burganlage. Mörtelreste in der Hangkante deuten darauf hin, dass das Areal einst von einer Mauer umgeben war. Da hier einiger Platz vorhanden ist, könnte man sich in diesem Bereich bescheidene Wirtschaftsgebäude und eventuell Ställe vorstellen, wie sie zu jeder Burganlage gehörten. Diese halbkreisförmige Mauer ist auf den Abbildungen von 1603/04 deutlich zu erkennen und mit Zinnen darauf dargestellt.

Zuletzt umzieht den Burgberg ein kreisförmiger Erd- oder Steinwall in etwas tieferer Lage. Sein Durchmesser beträgt etwa 100 bis 120 Meter. Der schon stark verschleifte Wall ist an der SW-, W-, N- und NO-Seite noch am deutlichsten sichtbar. Als man den Wall an einer Stelle zur Anlage eines Zu­fahrtweges für die Bauarbeiten durchstieß, wurden hier vorgeschichtliche Keramikscherben gefunden, die in die Jungsteinzeit, das sog. Neolithikum datiert werden11). Möglicherweise wurde der Wall bereits zu dieser frühen Zeit zur Befestigung der Bergkuppe aufge­schüttet. Bei einer mittelalterlichen Entstehung des Walles könnten die Scherben aber auch mit umgelagertem Material in den Wall geraten sein. Wie dem auch sei, hat man den Wall im Mittelalter sicher als Annäherungshindernis zur Burg benützt. Darauf deutet der Fund einer Münze von 1207-1223 hin12). Von vielen Burgen sind solche hölzernen Plankzäune oder Dornenhecken (Haag) überliefert13). Auf diese Fragen kann jedoch nur eine archäolo­gische Untersuchung Antwort geben.

Archäologische Untersuchungen im Palasgebäude

Wie schon eingangs dargestellt, wurde vom Bayer. Landesamt für Denkmalpflege gefordert, dass das Ausräumen des Schuttes im Palas nur unter Beobachtung durch einen Vertreter des Amtes vorgenommen werden durfte; notfalls hätten auch archäologische Untersuchungen zu erfolgen. Das Ausräumen der 1,4 bis 2,7 Meter mächtigen Schuttfüllung wurde von freiwilligen Mitgliedern des Fördervereins Lichtenegg e.V. durchgeführt. Wegen der wenigen verfügbaren Arbeitskräfte zogen sich die Arbeiten über einen längeren Zeitraum hin, wie natürlich auch die begleitenden archäologischen Untersuchungen. Es musste immer wieder abgewartet werden bis die Mitglieder des Vereins eine bestimmte Menge von Schutt entfernt hatten, dazu kam dann noch die Einstellung der Arbeiten während des Winters.  

Das Erdgeschoß des Palas war vom Eingang her 1,5 Meter hoch mit Schutt erfüllt, dessen Mächtigkeit zum nördlichen Raumende auf ca. drei Meter anstieg. In gemeinsamer Absprache entfernten die Vereinsmitglieder zunächst den Schutt bis in 4,5 Meter Entfernung, dann wurde ein Querprofil angelegt. Dieses Profil (PR.1, A-B) wurde am 14.08.02 besichtigt. Dazu wurde das Profil noch entsprechend begradigt und vor dem Profil ein 0,5 Meter breiter Sondagegraben bis auf die Felsoberfläche abgegraben. Das Profil wurde am 21.08. zeichnerisch und fotografisch dokumentiert, wobei anzumerken ist, dass ein starkes Gewitter mit Regengüssen die Arbeiten erheblich erschwerte. Das Profil 1 war insgesamt 3,7 Meter breit und max. bis zu zwei Meter hoch. Nach Abschluss der Dokumentation wurde das Profil zum Abbau freigegeben, ein neues Profil 2 sollte in acht Meter Abstand zum Eingang angelegt werden.

Das Entfernen des Schuttes zog sich dann zeitlich sehr in die Länge, weswegen erst am 10.10.02 mit der Doku­mentation begonnen werden konnte. Das Profil bestand in den oberen zwei Dritteln aus äußerst labilem Gesteins­schutt; wegen der Einsturzgefahr war es unmöglich das Profil in seiner ge­samten Höhe von ca. 2,5 Metern zu erfassen. So wurde zunächst der obere Teil des Profils aufgenommen und nach dem Abbau dieses Teils war es dann möglich auch den unteren Teil freizule­gen, allerdings musste der untere Teil wegen Versturz ca. 1,5 Meter zurückversetzt werden. Wegen der Winterpause erfolgte die Dokumentation erst am 15.04.03. Auch hier verliefen die Arbeiten wieder unter ungünstigen Witterungsverhältnissen, ein heftiger Sturm jagte regelrechte Sandwolken durch den Palas.

Die beiden Querprofile durch den Palas zeigen eine recht einfache Schichtabfolge; die Schuttfüllung bestand überwiegend aus lockerem Bauschutt. Deswegen wurde dann auch von der Anlage weiterer Profile abgesehen. Der Bauschutt stammte zum größten Teil von der heute verschwundenen NW-Wand und von der Giebelwand an der NO-Seite. Deswegen stieg die Höhe der Schuttfüllung im Palas auch nach NO zu an.

Im Profil 1 lag der Steinschutt (3) aus 20-30 Zentimeter großen Dolomitbrocken (wie sie in dieser Gegend überall als Lesesteine zu finden sind) unterhalb der SO-Wand etwa 1,6 Meter hoch. Darunter lagerte aufgelöster Kalkmörtel (4). Diese Stratigrafie lässt erkennen, dass beim Verfall des Gebäudes zuerst der Wandverputz aufgelöst wurde und von den Wänden abrieselte, dann folgte der Fugenmörtel und zuletzt stürzten zunehmend die ihres Halts beraubten Bruchsteine aus den Mauern und lagerten sich über dem Mörtelschutt ab. Stellenweise scheinen auch immer wieder einmal größere zusammenhängende Mauerpartien herabgefallen zu sein, denn an manchen Stellen lag der Mauerschutt besonders eng ineinander verzahnt. Von der NW-Wand rieselte ebenfalls zuerst Kalkmörtel (9, 10, 11) in die Tiefe und lagerte sich in schräg abfallenden Schichtungen am Fuße der Felswand (15) ab. Danach brachen auch hier immer wieder Dolomitsteine (8) aus, zwischen denen sich auch viel humoses Material (7) aus der Felswand her einlagerte. Die Felswand und die dort noch stehenden Mauerreste waren si­cher mit Unkräutern und Büschen überwachsen, welche zu der Humusbildung beitrugen.

Beim Profil 2 sah die Situation recht ähnlich aus. Der massive Mauersteinschutt lag etwa 1,8 Meter hoch, bildete hier aber keine schräg einfallende Schutthalde, sondern einen kegelförmigen Haufen (3). Die von dessen SO-Seiten verrollten Steine verfüllten teilweise sogar eine Fensteröffnung. Von der NW-Wand bzw. der Felswand rutschte zuerst Mörtel- und Dachziegelschutt (10) in die Tiefe, später folgte vermehrt Mörtelgrus (8), dann wieder stark mit Humus und kleinen Steinchen vermischter Kalkmörtel (6). Darauf lagerte sich zuletzt nur noch humoses Material (4, 2) ab, durchsetzt von vereinzelten Gesteinsbrocken. Den Abschluss zur Erdoberfläche hin stellte ein dünnes schwarzes Humusband (1) dar. Das Profil durchzog eine senkrecht verlaufende Störung (3a), durch einen Baum und seine bis in eine Tiefe von 576,2 m NN reichenden Wurzeln.

Im Profil 1 zeichnete sich bei ca. 575,2 m NN ein deutlicher Fußboden bzw. eine Art Lehmestrich (13) ab. Es war dies ein nur wenige Zentimeter starkes, ockerfarbenes bis hellbraunes Lehmband, welches im nordwestlichen Profilbereich auf 0,7 Meter Länge direkt auf der dort fast horizontal ver­laufenden Felsoberfläche (15) auflag. Auf dem Estrich liegend fanden sich vereinzelte Dachziegelbruchstücke und auffällig viele Schlacken, welche noch näher untersucht werden müssen.

Im mittleren Teil von Profil 1 führte eine 1,2 Meter breite Vertiefung oder Felsspalte nach unten; sie wurde bis in 574,9 m NN Tiefe ausgeräumt. Die Fül­lung (14) bestand aus sandig-lehmigem Material, von vielen Holzkohlen durchsetzt. Auch ein schwach ausgeprägtes Asche- oder Holzkohlenband von 55 Zentimeter Länge war in dieser Strate vorhanden. Die Sohle der Schicht 14 wurde nicht ergraben.

Etwas komplizierter waren die Verhältnisse beim Profil 2. Auch hier waren Reste eines Lehmestrichs (12) vor­handen, doch lag dessen Niveau etwas höher zwischen 575,40-50 m NN. Der recht unebene Laufhorizont lag einer sehr lockeren Steinschuttschicht auf, welche mit weißlichem und hellockerfarbenen Kalkmörtel durchsetzt war. Nahe der SO-Wand lagen zwei große Dolomitbrocken, der größere davon wies die Maße 22x42 Zentimeter auf. Die Schicht enthielt keinerlei anderes Material und auch keine Funde.

Auf den Estrichresten fanden sich wiederum viele Schlacken. Weiter nach oben folgten nun verschiedene Schichten (9-12) mit insgesamt 30-60 Zentimeter Mächtigkeit. Besonders auffällig war die unterste Schicht (11), eine graue bis dunkelgraue lockere Strate, welche kleine Kalksteine und viele Holzkohlen enthielt, dazu Lehmbutzen und Schlacken. Die darüber liegende Schicht (10) war ockerfarben bis hellgrau gefärbt und ebenfalls sehr locker. Sie enthielt viel aufgelösten Kalkmörtel, Ziegelbruchstücke und Holzkohlen. Schicht 9 kam nur an der SO-Wand vor und erstreckte sich bis maximal einen Meter von der Wand, dabei an Mächtigkeit abnehmend. Sie bestand aus braunem harten Lehm. Erst darüber setzte dann der massive Mauerversturz ein.

Bis auf diese Zwischenschichten ähneln sich beide Profile deutlich. Der unterste und einzig nachweisbare Lauf- oder Nutzungshorizont im Palas lag zumeist dem anstehenden Dolomitfels bei 575,2 m NN auf und stieg zum nordöstlichen Teil des Raumes leicht auf 575,40-50 m NN an, teilweise dem ebenfalls ansteigenden Fels folgend, teilweise aber auch auf Schutt gelegen. Auf dem Estrichhorizont finden sich auffallend viele Schlacken, sowie Ziegel- und Dachziegelbruchstücke, Keramikscherben und viele Holzkohlen. Die Funde belegen keinen Zerstörungshorizont, sondern dokumentieren das langsame Verfallsstadium nach der Aufgabe der Burg, denn unmittelbar über dem Estrich setzt der Mauerverfall ein, belegt durch mächtige Lagen von Mörtel- und Gesteinsschutt. Befunde aus der Erbauungs- bzw. Frühzeit der Burg wurden im Palas nicht angetroffen. Selbst in den untersten Schichtlagen unterhalb des Lehmestrichs fanden sich noch glasierte Scherben des Spätmittelalters und der Frühneuzeit. Dies lag wohl daran, dass sich der Laufhorizont im untersten Raum des Palasgebäudes überwiegend auf anstehendem Fels befand, ältere Schichten demnach gar nicht vorhanden sein konnten. Ältere Funde könnten sich wohl nur noch in tieferen Klüften und Spalten erhalten haben.

Das Ergebnis der archäologischen Untersuchungen im Palas

Wie oben vermerkt, konnten wider Erwarten keine Erkenntnisse zur frühen Geschichte der Burg Lichtenegg gewonnen werden. Dies lag zum größten Teil an dem überall anstehenden Felsgrund, der natürlich keine Einlagerung von Fundmaterial zuließ. Möglicherweise wäre eine Grabung im unteren Bereich der Burg innerhalb der ehemaligen Ringmauer erfolgsversprechender, da dort anscheinend mehr Humus vorhanden ist. Einzig Teile der Palasmauern stammen mit Sicherheit aus der Erbauungszeit der Burg, doch lassen sie sich leider nicht datieren. Eventuell befinden sich unter den zahllosen Keramikfunden auch Scherben, die aus der Frühzeit der Burg stammen könnten, doch sind diese Funde noch nicht näher untersucht und bearbeitet worden.

Aber zur jüngeren Geschichte bzw. dem Ende der Burg Lichtenegg fanden sich zahlreiche Belege, welche die ur­kundlichen Nachrichten bestätigen. Durch die Untersuchungen lässt sich belegen, dass das 1574/75 abgebrannte Sedlmayer'sche Gebäude - der Palas - nach einer Notbedachung unter Preising unbewohnt blieb und dem zuneh­menden Verfall preisgegeben war. Die unter dem Lehmestrich stellenweise angetroffenen Holzkohlenschichten können durchaus Überreste und Belege des damaligen Brandes sein. Den gro­ßen Brandschutt hatte man aus dem Palas geräumt, sonst hätte mehr davon vorhanden sein müssen. Da die Ruine für die Errichtung der Notbedachung sicher über einen längeren Zeitraum begangen wurde, könnte der Lehmestrich überhaupt erst zu dieser Zeit entstanden sein. Interessant ist hierzu, dass es sich nicht um einen gut angelegten und durchgehenden massiven Bodenbelag handelt, wie man ihn bei jahrelanger Nutzung des Gebäudes erwarten könnte. Demnach scheint der Laufhorizont wirklich nur aus der Zeit der Reparaturarbeiten zu stammen.

Die Befunde im Kellerraum des Palas belegen den kurzen Zeitraum der Existenz des Sedlmayer'schen Gebäudes, eventuell den Brand von 1574/75 und die Zeit der Notbedachung, in welcher die Burg aber nicht mehr bewohnt war, sowie die folgenden Jahrhunderte des langsamen Verfalls. Nach Aussage der Schichten hat man bei der Renovierung des schon lange ruinösen Palas unter Sedlmayer so ziemlich alle älteren Schichten abgeräumt, sofern solche hier jemals vorhanden gewesen sind.

1) Metz, F. - Wir wandern durch das Sulzba­cher Land, Amberg 1957, 77.

2) Vereinsnachrichten Förderverein Burgru­ine Lichtenegg e.V., 3. Jhrg., Ausg. 07, Lichtenegg 2001, 4.

3) Giersch, R. - Archivforschungen zur Ge­schichte der Burg Lichtenegg, Lichtenegg 2001, 10.

4) Ebd., Giersch.

5) Hager, G. u. Lill, G. - Kunstdenkmäler von Oberpfalz und Regensburg, XIX Bezirks­amt Sulzbach, München 1982,51.

6) Ebd., Giersch, 28.

7) Ebd., Giersch, 35.

8) Alle Maßangaben sind dem Statischen Aufmaß des Ingenieursbüro ALS Amberg entnommen.

9) Bayer. Staatsarchiv

10) U.a. auch in der Burg Wolfstein bei Neumarkt i.d.Opf.

11) OA Bayer. Landesamt f. Denkmalpflege, Außenstelle Regensburg. Die Funde verdanken wir der Aufmerksamkeit des archäologischen Heimatpflegers W. Sörgel, Hart­mannshof.

12) Vereinsnachrichten Förderverein Burg­ruine Lichtenegg e.V., 3. Jhrg., Ausg. 07, Lichtenegg 2001 - Fund durch W. Sörgel, Hartmannshof

13) Kunstmann, H. - Mensch und Burg, Veröff. d. Ges. f. Fränk. Gesch., Reihe IX, Bd. 25, Würzburg 1967, 39f.