Aller Anfang ist schwer

Die ersten Schritte zur Sanierung der Burgruine Lichtenegg

Schon seit 1913 gab es immer wieder vergeblich Versuche, die Burgruine Lichtenegg zu sanieren und damit für spätere Generationen zu erhalten. Im Jahr 1965 kam es auf Veranlassung des damaligen Landratsamtes Sulzbach zu Ausbesserungsarbeiten, die den Verfall der noch vorhandenen Mauerreste wenigstens verlangsamten. Damals war die Palasmauer an der Südostseite noch viel höher, konnte aber nicht saniert werden weil die Gerüststangen für diese Höhe nicht reichten und wurde deshalb ein ganzes Stück abgetragen. Weitere Mauerreste, z. B. auf der Westseite, sind in dieser Zeit restlos verschwunden. Trotz dieser Sicherungsmaßnahmen verfiel die Burgruine in den Jahren danach immer mehr und schon nach kurzer Zeit gefährdeten wieder herab fallende Steine den Bestand der Burgruine. Gerade die letzten Jahre im 20ten Jahrhundert haben den verbliebenen Mauerresten stark zugesetzt. Auf der noch relativ gut erhaltenen Südostwand, die das Ortsbild von Lichtenegg prägt, brachen fast täglich, auch im unteren Bereich der hohen Palasmauer, lose Steine heraus. Sicherungs- und Instandsetzungsmaßnahmen waren dringend erforderlich. Es bestand akute Einsturzgefahr.

Die Gemeinde Birgland als haftender Eigentümer des eingetragenen Baudenkmals hat deshalb in den 80er Jahren die gefährdeten Bereiche abgesperrt. Allerdings dachte man dabei an die vielen Wanderfreunde, die am 586 m hohen Berggipfel die herrliche Aussicht weiterhin genießen wollen und schaffte auf der Westseite der Burg einen teilweise gesicherten Aufstieg. Der Blick reicht über Dörfer, Hügelketten zu den Burgen nach Hohenstein, Rupprechtstein und Breitenstein. Bei gutem Weiter sieht man das Fichtelgebirge mit einem 0chsenkopf und dem Fernsehturm, die Marienbader Berge, den Kaiserwald vor dem Erzgebirge, den gesamten Oberpfälzer Wald, den Hohen Bogen bei Furth im Wald und im Westen das Hersbrucker und Nürnberger Land. Die Besteigung dieses in Wanderkreisen sehr beliebten Zieles lohnt sich also nach wie vor. Der geschaffene Zustand der Teilabsperrung sollte nur ein Notbehelf sein.

Schon in sehr frühen Jahren hatte Hans Seitz, der spätere Gründungs- und langjährige Fördervereinsvorsitzende, immer mal wieder bei verschiedenen Gelegenheiten darauf hingewiesen, dass die letzten Mauerreste bald verschwunden sein werden, wenn nicht endlich etwas unternommen wird. Leider immer ohne Erfolg. Es hieß, dafür sei kein Geld da, die Planung sei zu teuer, wenn der Denkmalschutz mitredet wird es unbezahlbar usw. Im Januar 1997 machte dann Hans Seitz mit einem Leserbrief in der Suzbach-Rosenberger- Zeitung auf den Verfall der Burgruine Lichtenegg mahnend aufmerksam. Mehrere Gespräche bei verschiedenen Versammlungen mit MdL Donhauser und Landrat Dr. Wagner im Jahr 1997 folgten und waren vorerst aber ohne Erfolg. Nach vielen erfolglosen Bemühungen gelang dann im Sommer 1998 ein erster Schritt vorwärts. Auf ständiges Drängen kam auf Initiative von MdL Heinz Donhauser am 13. August 1998 eine gemeinsame Besichtigung der Burgruine mit den Fachbehörden zustande. Konservator Raimund Karl vom bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Frau Barbara Rubenbauer von der Unteren Denkmalschutzbehörde, Kreisheimatpfleger Hans Forster, Bürgermeister Herbert Steinmetz, Gemeinderäte und Bürger aus Lichtenegg nahmen am Ortstermin teil. "Wenn in nächster Zeit nichts unternommen wird, stürzt eines Tages die ganze Mauer ein", darin waren sich alle einig. Konservator Raimund Karl lud die Teilnehmer ein, sich über den Verlauf der Sanierung der Ruine Roßstein bei Hohenburg zu informieren. Bereits 14 Tage später bei der Besichtigung der Ruine Roßstein kam von Karl die Zusage für einen 50 prozentigen Zuschuß vom Landesamt für Denkmalpflege für eine Bestandsaufnahme, die ein Ingenieurbüro der Gemeinde angeboten hatte. Die andere Hälfte muß die Gemeinde tragen. Darüber entschied der Gemeinderat Birgland am 09. September 1998 positiv.

Im Herbst 1998 wurde die Vereinsgründung vorbereitet, so daß am 19. Dezember im gleichen Jahr der Förderverein Burgruine Lichtenegg e.V. durch 23 Mitglieder gegründet werden konnte. Der Verein wird die Gemeinde Birgland bei der Sicherung und Sanierung der Burgruine durch Eigenleistung, Beschaffung an Mitteln aller Art, sei es durch Mitgliedsbeiträge, Spenden oder Veranstaltungen unterstützen. Ebenso will er sich bei der Beantragung von Zuschüssen konstruktiv einschalten und mitarbeiten. Erstes Ziel ist die Sicherung der noch vorhandenen Mauerreste und ein befestigter, sicherer Fußweg zum Aussichtspunkt. Dies wurde einstimmig von den Gründungsmitgliedern beschlossen. Der Verein wurde am 19. Januar 1999 ins Vereinsregister beim Amtsgericht Amberg eingetragen und vom Finanzamt Amberg als besonders förderungswürdige, gemeinnützige Körperschaft anerkannt.

Im Mai 1999 führte das von der Gemeinde beauftragte Ingenieurbüro ALS eine Bestandsaufnahme der Burgruine durch und erstellte dazu Zeichnungen und Pläne, die uns rechtzeitig zur ersten Mitgliederversammlung am 20. März 1999 vorgelegt wunden. Am 20. Mai 1999 bekam die Burgruine Lichtenegg zahlreichen politischen Besuch. Als Vorspann zu einer Ortsvorsitzendenkonferenz besichtigten CSU-Politiker aus dem ganzen Landkreis das Baudenkmal. "Im Zusammenwirken aller Beteiligten müsse es gelingen, dieses Baudenkmal auf Dauer zu erhalten, weil damit ein Teil der Geschichte unserer Heimat erhalten bleibt". MdL Heim, Donhauser, MdB Rudolf Kraus, Bezirksrätin Ingrid Kurz,  stellv. Landrat Werner Schulz und Landrat Dr. Hans Wagner sicherten dafür ihre Unterstützung zu.

Bei einem weiteren Ortstermin in Lichtenegg, am 31. Mai 1999, an dem Konservator Raimund Karl vom Landesamt für Denkmalschutz, Barbara, Rubenbauer von der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landratsamt, MdL Heinz Donhauser, Bürgermeister des Birglands, Herbert Steinmetz und Hans Seitz vom Förderverein teilnahmen, stellte Anton Landgraf vom Ingenieurbüro ALS sein statisches Planungsgutachten zum baulichen Zustand der Burgruine und eine Kostenschätzung für erste Sicherungs- und Instandhaltungsarbeiten vor. Landgraf erläuterte die Konstruktionen sowie Schäden und deren Ursachen: Der Kalkmörtel in den Fugen hat sich durch Erosion und Verwitterung gelockert und ist größtenteils ausgewaschen. Über die zerklüftete Oberseite gelangen Wasser und Feuchtigkeit zwischen die beiden Schalen des Mauerwerks. Im Zusammenwirken mit Frost kommt es zum Aufsprengen das Mauerwerks, so daß herabfallende Steine die Besucher und den Bestand der Ruine gefährden.

Im ersten Bauabschnitt waren Maßnahmen zur Verhinderung das Wassereindringens in die Wand, die Ergänzung schadhafter Mauerwerksteile und Mauerausbrüche und der Einbau von Querzugankern zur Verbindung des zweischaligen Mauerwerkes vorgesehen. Die denkmalgerechte Wiederherstellung der Oberfläche ist mit traditionellen Handwerkstechniken unter Verwendung von angepassten Kalkmaterialien erfolgt. Das Ingenieurbüro hatte dafür Kosten von 150000 DM ermittelt. An der Finanzierung beteiligten sich das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, der Bezirk Oberpfalz, der Landkreis Amberg-Sulzbach und die Gemeinde Birgland. Ein Finanzierungsplan mit den zu erwartenden Zuschüssen konnte anschließend aufgestellt werden. Die Behörden und MdL Heinz Donhauser versuchten, möglichst viele Töpfe für Zuschüsse anzuzapfen. Der Förderverein Burgruine Lichtenegg konnte die vorgesehenen Maßnahmen durch Mittel aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und durch Eigenleistung unterstützen. In den darauf folgenden Wochen trafen sich die beteiligten Behörden sowie Bürgermeister und Gemeinderat Birgland und der Förderverein nochmals, um die Weichen für den ersten Bauabschnitt konkret zu stellen. Die Zeit drängte, denn der letzte Winter hat einige tiefe Wunden in das Mauerwerk geschlagen, die unbedingt geschlossen werden mussten.

Im Rahmen der Flurbereinigung und Dorferneuerung wurde der Burgberg, der stark zugewachsen war, bereits zum größten Teil entbuscht. Zur weiteren Pflege und Betreuung konnte der Burgberg dem Landschaftspflegeverband anvertraut werden. Die Fußwegverbindungen hinauf zur Burg waren mangelhaft, schlecht begehbar und auch unzureichend gekennzeichnet. Für Ortsfremde erschien der Burgberg nahezu "unerreichbar". Dieser Zustand sollte nun im Rahmen der Dorferneuerung verbessert werden. Von der Direktion für Ländliche Entwicklung wurden dafür 1999 Mittel zur Verfügung gestellt. Erste Besprechungen über den Verlauf von sicheren Aufstiegswegen, die möglichst landschaftsschonend angelegt werden sollen, fanden am 07. und 24. Juni 1999 mit Bauoberrat Göhler vom Amt für Ländliche Entwicklung, weiteren Vorstandsmitgliedern der Teilnehmergemeinschaft Fürnried und Bürgermeister Steinmetz statt. Der Gemeinderat Birgland stimmte am 14. Juli 1999 für die Neugestaltung der Wege zum Burgberg in Zusammenarbeit und Kostenaufteilung an Gemeinde und Direktion für Ländliche Entwicklung im Rahmen der Dorferneuerung. Dabei wurden auch Arbeiten durch den Förderverein übernommen. Spontan stellte sich der Bürgermeister mit den Gemeinderäten für diesen Frondienst zur Verfügung. Einen Tag ohne Entgelt kann jeder verkraften, schließlich gehört die Burgruine der Gemeinde!

Die ersten kleinen Schritte waren nun getan. Um die Zielsetzungen des Fördervereins zu verwirklichen und dafür zu sorgen, daß die Burgruine Lichtenegg als Geschichtsdenkmal für zukünftige Generationen erhalten bleibt, bedarf es noch gewaltiger Anstrengungen. Die Initiative und das Engagement des Fördervereins wird aber nur erfolgreich sein, wenn möglichst viele Mitglied, Helfer, Spender, die Gemeinde Birgland und die Behörden zusammenwirken. Deshalb die freundliche Bitte an Sie: unterstützen Sie uns bei dieser historischen und kulturell bedeutenden Aufgabe durch Ihren Vereinsbeitritt oder mit einer Spende. Wir freuen uns über jedes neue Mitglied ebenso wie über jede Spende, egal in welcher Höhe.